Ein Stromerzeuger, der im Leerlauf läuft, ist nicht wirklich geprüft. Entscheidend ist, ob er unter realer Last Spannung und Frequenz stabil hält – und ob Kabel, Steckdosen, Schutzorgane und Umschalttechnik dabei sauber mitspielen.
Dieser Beitrag zeigt, wie Sie sinnvolle Testlasten auswählen, wie ein Lasttest praktisch abläuft und welche Fehler besonders häufig passieren – inklusive Beispiele für typische Einsatzszenarien.
Was ist eine „gute“ Testlast?
Eine gute Testlast erfüllt drei Kriterien:
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Planbar: Sie können sie zuverlässig erzeugen und dosieren.
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Elektrisch unkritisch: Sie verursacht keine unberechenbaren Startströme oder empfindlichen Elektronik-Probleme.
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Aussagekräftig: Sie bringt den Generator in einen Bereich, in dem Regler, Motor und Verkabelung wirklich arbeiten müssen.
Am besten geeignet sind ohmsche Lasten (Wärmeverbraucher), weil sie sich „sauber“ verhalten: Stromaufnahme und Leistung sind gut vorhersehbar, ohne starke Anlaufspitzen.
Die besten Testlasten in der Praxis
1) Heizlüfter, Heizkanonen, Radiatoren (ohmsch)
Vorteile: günstig, überall verfügbar, einfach zu stufen
Beispiele: 1 kW / 2 kW / 3 kW Heizlüfter, Heizlüfter mit 2 Stufen
Tipp: Mehrere Geräte kombinieren, um Last in Schritten aufzubauen (z. B. 1 kW + 2 kW + 2 kW).
2) Kochplatten / Wasserkocher (ohmsch)
Vorteile: sehr einfache Last, schnell verfügbar
Hinweis: Wasserkocher haben oft 1,8–2,2 kW – ideal zum Stufentest.
3) Halogen-Fluter / Baustrahler (nahezu ohmsch)
Vorteile: ebenfalls relativ gutmütig
Nachteil: heute weniger verbreitet, dafür sehr „ehrliche“ Last.
4) Professionelle Lastbank (Lastwiderstände)
Vorteile: sauber, exakt, ideal für regelmäßige Prüfungen – besonders bei größeren Aggregaten
Nachteil: Kosten / Anschaffung, eher für Betriebe/Kommunen/NEA
Welche Lasten sind als Test eher ungeeignet?
Motoren, Kompressoren, Pumpen (induktiv)
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verursachen hohe Anlaufströme
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können den Generator beim Zuschalten „einbrechen“ lassen, obwohl er grundsätzlich ok ist
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eignen sich eher als zusätzlicher Praxistest – aber nicht als einzige Referenz
Schweißgeräte (stark wechselnde Last)
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hohe Spitzen, teils starke Oberwellen
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als „Härtetest“ denkbar, aber nicht als Standard-Lasttest
Elektronische Verbraucher mit empfindlicher Steuerung
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Server/IT, empfindliche Medizintechnik, High-End-Audio etc. sind keine idealen Testlasten
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Erst prüfen, dass der Generator stabil ist – dann solche Geräte absichern (z. B. USV/Netzfilter-Konzept)
Wie viel Last soll es beim Test sein?
Das Ziel ist nicht, den Generator zu quälen – sondern ihn aussagekräftig zu prüfen.
Praxiswerte:
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Kurztest: 30–50 % der Nennleistung (10–20 Minuten)
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Standardtest: 50–80 % der Nennleistung (15–30 Minuten)
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Optionaler Stresstest: kurzzeitig 80–100 % (nur wenn Setup, Umgebung und Gerät dafür geeignet sind)
Warum nicht immer 100 %?
Weil Temperatur, Belüftung, Kabelquerschnitte und Stecksysteme im Alltag oft nicht perfekt sind. Ein solider Test im Bereich 60–80 % ist für die meisten Betreiber der beste Mix aus Aussagekraft und Sicherheit.
Der Lasttest-Ablauf: So machen Sie es richtig
Schritt 1: Warmlauf
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Generator starten und 2–5 Minuten stabil laufen lassen
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Anzeigen prüfen (Spannung/Hz, Warnlampen, Geräusche)
Schritt 2: Last stufenweise aufbauen
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nicht „alles auf einmal“
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in 2–4 Stufen erhöhen (z. B. 25 % → 50 % → 75 %)
Schritt 3: Stabilität beobachten
Achten Sie auf:
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Flackern von Licht (Hinweis auf Regelung/Lastsprünge)
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ungewöhnliche Drehzahlschwankungen
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stechenden Geruch / warme Stecker / brummende Kabeltrommeln
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Schutzabschaltungen
Schritt 4: Last halten
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15–30 Minuten auf Ziel-Last laufen lassen
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Danach Last wieder sauber abwerfen, 1–2 Minuten nachlaufen lassen, abstellen
Häufige Fehler beim Lasttest (und wie Sie sie vermeiden)
Fehler 1: Kabeltrommel nicht abrollen
Das ist einer der Klassiker. Aufgerollte Trommeln können bei höheren Strömen stark erwärmen.
Regel: Bei nennenswerter Last Kabeltrommeln vollständig abrollen.
Fehler 2: Falscher Kabelquerschnitt
Zu dünne Leitungen sorgen für Spannungsabfall und Hitze.
Regel: Je länger das Kabel und je höher die Leistung, desto dicker muss der Querschnitt sein.
Fehler 3: Testlast über Mehrfachsteckdose
Mehrfachsteckdosen sind selten für hohe Dauerlast gemacht – besonders nicht bei Feuchtigkeit, Staub oder mechanischer Belastung.
Regel: Hohe Lasten nur über passende Stecksysteme und Verteiler.
Fehler 4: „Nur kurz anwerfen“
Ein Generator kann kalt anspringen und trotzdem unter Last versagen. Oder er läuft 3 Minuten gut – und fängt dann an zu schwanken, wenn Temperatur und Regler arbeiten müssen.
Regel: Lasttest braucht Zeit.
Fehler 5: Lastsprung ohne Stufen
Große Verbraucher plötzlich zuzuschalten ist unnötig riskant.
Regel: Immer stufenweise.
Szenarien: Beispiel-Setups für sinnvolle Testlasten
1) Einfamilienhaus / Einspeisung über Umschalter
Ziel: realistische, sichere Testlast ohne Risiko für empfindliche Elektronik
Gute Testlasten:
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Heizlüfter (1–2 Stück)
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Wasserkocher
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ggf. Backofen/kochplatte (wenn sauber eingebunden und abgesichert)
Testidee:
Erst 1–2 kW, dann 3–5 kW (je nach Aggregat), dabei beobachten, ob Licht flackert und ob der Generator stabil bleibt.
2) Betrieb / Werkstatt
Ziel: Belastung + Stecksystem/Verteiler prüfen
Gute Testlasten:
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Heizkanone / mehrere Heizlüfter
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Halogenstrahler
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optional: Kompressor als zusätzlicher Praxistest (erst nach „sauberer“ Prüfung)
Testidee:
Ohmsch vorprüfen, danach einen typischen Motorverbraucher kurz zuschalten und beobachten.
3) Event / Marktstand / Verein
Ziel: stabile Versorgung für Licht, Ton, Kühlung
Gute Testlasten:
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Heizlüfter als definierte Grundlast
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zusätzliche Last über Wasserkocher oder Kochplatte
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anschließend einmal echtes Setup anschließen (Licht + Audio) zur Praxisprüfung
Hinweis:
Audio reagiert empfindlich auf Störungen – erst mit stabiler Grundlast testen, dann das Event-Equipment.
4) Landwirtschaft / Hof
Ziel: robuste Verbraucher, lange Leitungen, wechselnde Lasten
Gute Testlasten:
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Heizgeräte als Grundlast (definiert)
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danach typische Verbraucher kurz zuschalten (z. B. Fördertechnik/Pumpen)
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Augenmerk auf Kabelwege und Querschnitte
Extra-Tipp: Messwerte, die wirklich helfen
Wenn verfügbar, sind diese zwei Messungen Gold wert:
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Spannung (V) unter Last: bleibt sie stabil?
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Frequenz (Hz) unter Last: schwankt sie stark?
Viele einfache Steckdosenmessgeräte zeigen zumindest grobe Werte – für eine schnelle Plausibilitätskontrolle reicht das oft aus.
Fazit
Ein guter Lasttest ist kein Hexenwerk. Mit ohmschen Testlasten, stufenweisem Zuschalten und 15–30 Minuten echter Belastung finden Sie fast alle typischen Schwachstellen – bevor es ernst wird. So wird aus „Generator vorhanden“ eine echte Betriebssicherheit.