Ein mobiler Stromerzeuger hilft im Notfall, auf der Baustelle oder bei Veranstaltungen – aber er bringt ein Risiko mit, das oft unterschätzt wird: Kohlenmonoxid (CO) aus den Abgasen. CO ist unsichtbar, geruchlos und kann schon nach kurzer Zeit gefährlich werden. Das Tückische: Viele Betroffene merken es erst spät – besonders bei Nachtbetrieb, Stress oder Kälte.
Dieser Beitrag zeigt dir praxisnah, wie du deinen Stromerzeuger so aufstellst und betreibst, dass Abgase sicher bleiben – ohne komplizierte Theorie, dafür mit klaren Regeln und Checklisten.
Warum Kohlenmonoxid so gefährlich ist
CO entsteht bei der Verbrennung von Benzin, Diesel oder Gas. Es blockiert im Körper den Sauerstofftransport – dadurch kann es zu einem Sauerstoffmangel kommen, ohne dass man „etwas riecht“.
Typische Warnzeichen (wirken oft wie eine Grippe):
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Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit
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Benommenheit, Konzentrationsprobleme
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Kurzatmigkeit, Herzrasen
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starke Müdigkeit bis Bewusstlosigkeit (besonders gefährlich im Schlaf)
Merke: Wenn beim Generatorbetrieb plötzlich mehrere Personen ähnliche Symptome bekommen – immer an CO denken.
Die häufigsten Fehler (und warum sie so oft passieren)
Viele Unfälle passieren nicht aus Absicht, sondern aus „praktischen“ Gründen:
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Betrieb in der Garage, im Schuppen, im Kellerabgang (auch „mit offener Tür“)
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Generator direkt am Haus (Abgas zieht durch Fenster, Türen, Lüftungen)
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falsche Windrichtung (Abgas wird an die Hauswand gedrückt)
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„Wetterschutz“ mit Planen oder Einhausungen, die Abgas stauen
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improvisierte Abgasverlängerung mit Leckagen oder Rückstau
Kernsatz: „Draußen“ ist nicht automatisch sicher – entscheidend ist, wohin die Abgase ziehen.
7 Praxisregeln für die sichere Aufstellung
1) Niemals in geschlossenen oder halbgeschlossenen Räumen betreiben
Nicht in:
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Garage (auch bei offenem Tor)
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Carport mit Seitenwänden
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Schuppen, Zelt, Pavillon
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Transporter/Container/Anhänger ohne sichere Abgasführung
2) Genug Abstand zum Gebäude halten
Halte deutlich Abstand zu:
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Fenstern und Türen
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Lichtschächten und Kellerabgängen
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Lüftungsöffnungen, Abluft-/Zuluftgittern, Ansaugöffnungen
Je näher am Gebäude, desto größer die Chance, dass Abgas wieder hineingezogen wird.
3) Auspuff konsequent vom Gebäude weg ausrichten
Klingt banal – macht in der Praxis den Unterschied:
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niemals auf Hauswand, Fenster oder Tür zeigen lassen
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wenn möglich in eine freie, offene Richtung ausblasen lassen
4) Wind und Wetter aktiv einplanen
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Wind kann Abgas in Sekunden in kritische Bereiche drücken
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bei wechselndem Wind: Standort prüfen und ggf. ändern
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in windstillen Ecken kann CO lokal „stehen“ bleiben
5) Keine „Abgas-Fallen“ wählen
Vermeide:
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Innenhöfe, enge Durchgänge, Mauerecken
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Senken, Treppenabgänge, Lichtschacht-Nähe
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Bereiche mit hohen Hecken/Planen/Wänden rundherum
6) Wetterschutz ja – aber ohne Abgasstau
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keine dichten Planen, die Abgas zurückwerfen
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keine geschlossenen „Zeltlösungen“
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besser: offener Wetterschutz mit viel Luftzirkulation (und passend zum Gerät)
7) Bereich absichern (Hitze + Abgas)
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Schalldämpfer/Abgasanlage werden sehr heiß
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halte Abstand und sichere den Standort gegen Kinder/Publikum/Unbefugte
CO-Warnmelder: Sinnvoller Zusatzschutz (aber kein Ersatz)
Ein CO-Warnmelder ist eine starke Sicherheitsbarriere – besonders im Notstrombetrieb am Haus.
Bewährte Praxis:
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CO-Warnmelder im Haus (batteriebetrieben oder mit Batterie-Backup), z. B.
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im Flur vor Schlafräumen
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in Bereichen nahe der „Generatorseite“ des Hauses
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optional: mobiler CO-Warner für Personen, die draußen am Aggregat arbeiten
Wichtig: Ein Warnmelder ersetzt nicht die richtige Aufstellung – er ergänzt sie.
Abgasverlängerung: Kann helfen – ist aber technisch heikel
Die Idee klingt logisch: Abgas gezielt wegführen. In der Praxis gibt es aber Stolperfallen:
Häufige Risiken:
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Rückstau → schlechter Lauf/Überhitzung/Motorschäden
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Undichtigkeiten → CO tritt genau dort aus, wo man arbeitet
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extreme Hitze → Verbrennungs- und Brandgefahr
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Vibrationen → Verbindungen lösen sich im Betrieb
Wenn du so etwas umsetzen willst: Nur stabil, dicht, hitzefest und sinnvoll geführt. Im Zweifel ist ein besserer Standort oft die sicherere Lösung.
Was tun bei Verdacht auf CO?
Wenn jemand beim Generatorbetrieb plötzlich Kopfschmerzen/Schwindel/Übelkeit bekommt:
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Sofort an die frische Luft – weg vom Generatorbereich
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Generator abschalten, wenn gefahrlos möglich
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Notruf, wenn Symptome stark sind, mehrere Personen betroffen sind oder Bewusstseinsstörungen auftreten
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Räume lüften (ohne dich selbst zu gefährden)
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nicht „erst mal hinlegen“ – Schlaf kann das Risiko erhöhen
Checkliste: Sicher aufstellen (zum Kopieren)
Vor dem Start
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nur im Freien / sehr offen (keine Garage, kein Zelt, kein Schuppen)
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deutlicher Abstand zu Fenstern, Türen, Lichtschächten, Lüftungen
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Auspuff zeigt weg vom Gebäude und weg vom Aufenthaltsbereich
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Standort ist keine Ecke/Senke/„Abgas-Falle“
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Windrichtung geprüft (bei Wechsel: Standort neu bewerten)
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CO-Warnmelder im Haus aktiv, Batterien ok
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Bereich abgesichert (Kinder/Publikum/Unbefugte)
Während des Betriebs
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Windwechsel im Blick behalten
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keine Planen/Abdeckungen, die Abgas zurückwerfen
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niemand hält sich unnötig in Abgasnähe auf
FAQ: Häufige Fragen
Kann ich den Stromerzeuger in der Garage betreiben, wenn das Tor offen ist?
Nein. Auch mit offenem Tor können Abgase in der Garage stehen bleiben oder ins Haus ziehen.
Wie weit muss der Generator vom Haus weg stehen?
So weit, dass Abgase nicht in Richtung Fenster/Türen/Lüftungen gelangen können. Je mehr Abstand und je freier die Abgasabströmung, desto besser.
Rieche ich Kohlenmonoxid?
Nein. CO ist geruchlos. Deshalb sind Standortwahl und CO-Warnmelder so wichtig.
Ist ein CO-Warnmelder Pflicht?
Unabhängig von Pflichten ist er im Notstrombetrieb eine sehr sinnvolle zusätzliche Schutzmaßnahme – besonders in Schlafbereichen.
Hilft eine Abgasverlängerung immer?
Nicht automatisch. Falsch umgesetzt kann sie Rückstau, Leckagen und zusätzliche Risiken verursachen. Oft ist ein besserer Standort die sicherere Lösung.
Fazit
Elektrische Sicherheit endet nicht bei Kabeln und Absicherung – Abgassicherheit gehört genauso dazu. Mit ausreichendem Abstand zum Gebäude, richtiger Auspuffausrichtung, Blick auf die Windrichtung und einem CO-Warnmelder als zusätzlichem Schutz kannst du das Risiko massiv reduzieren.
Tipp für den Ernstfall: Teste deinen Notstrom-Aufbau einmal in Ruhe (bei Tageslicht, mit Sicherheitsabstand und offener Umgebung). Routine ist im Notfall unbezahlbar.